Vom Leben auf Rädern mit Kindern

 

 

Emily und Adam sind seit 2012 mit dem VW Bus in ganz Südamerika unterwegs – mit ihren beiden kleinen Töchtern. Wie funktioniert das Leben auf 7 m2?

Wir durften ein ermunterndes Interview mit Emily führen, die einem die Angst vor dem Fremden nimmt und Lust zum Reisen macht.

 

Was hat euch dazu bewegt ein Leben im Bus zu verbringen?

Emily: Adam und ich sind immer schon gern unterwegs gewesen und haben ständig neue Reisen geplant. Der Beschluss diesen Trip zu machen, der jetzt zu unserem Leben geworden ist, kam wie Puzzleteile zusammen. Wir waren so inspiriert von Dingen, die wir auf unseren Reisen erlebt haben: eine Mutter, die ihr Baby während eines Wanderausflugs in Neuseeland am Rücken getragen hat; 2 Kinder die uns erzählt haben, wie sie mit ihren Eltern um die Welt segeln.
Als ich mit unserer ersten Tochter, Colette, schwanger war, hat Adam ein Angebot bekommen in Indien und Nepal zu arbeiten. Als das Projekt scheiterte, haben wir beschlossen: Die Zeit für unsere eigene große Reise ist gekommen!
Danach folgte ein Jahr Pläne schmieden, sparen, ein Crowd-Funding Video auf die Beine stellen. Wir haben einen riesen Flohmarkt veranstaltet, all unsere Dinge verkauft und viel geträumt und recherchiert bevor wir den nächsten Schritt gewagt haben.

 

 

Wie viel Platz habt ihr zur Verfügung und wie fühlt es sich an zu Viert auf so kleinem Raum zu leben?

Emily: Wir haben ca. 7 m2, wenn man das aufklappbare Dach nicht mitrechnet. Der Westfalia – auch als Schweizer Messer unter den Campingbussen bekannt – bietet noch mehr Platz wenn man das Vorzelt aufstellt, das Dach raufschiebt und vor einem eine paradiesische Landschaft liegt. Dann rechnet man nicht mehr in Quadratmetern. Wenn es lange Zeit regnet oder schneit wird’s natürlich schon g’scheit gemütlich. Wir haben den Bus als Paar gekauft, zu viert ist es jetzt natürlich etwas enger. Trotzdem sind wir unglaublich dankbar, denn ohne den Wagen könnten wir nicht an so viele tolle Plätze reisen.

 

 

Lebt ihr mehr draußen oder drinnen?

Emily: Unser Wagen erlaubt uns, diesen Planeten auf einzigartige Weise zu erkunden. Draußen in der Welt verbringen wir unsere meiste Zeit. Wir genießen das langsame Reisen, kurze Strecken zu fahren und mehr Zeit im Sein zu verbringen.

 

Ihr lebt in einem 1990 VW Westfalia T3. Wie schaut’s mit der Ausstattung aus?

Emily: Wir haben keine Toilette und keine Dusche, ausgenommen vom Notfall Klo mit luftdicht verschließbarem Deckel. Da wir die meiste Zeit in der Natur verbringen ist das auch nicht so die Herausforderung.

Adam hat viele Stunden damit verbracht den Wagen für die Reise auszustatten:

VW Motor durch einen stärkeren Subaru Motor ausgetauscht, Sicherheitssystem für Innen und Außen installiert, Kindersitz angepasst. Wir haben LED Lichter in 4 Bereichen eingebaut, einen modernen Kühlschrank. Das Hinterteil wurde ausgebaut, wir haben neue Dämpfer bekommen, ein Vorzelt, einen Heck-Gepäckträger für Sprit- und Wasserkanister, einen Wagenheber. Ich habe Vorhänge gefärbt und genäht und einen Teppich für den Boden gemacht und die Sitzpölster bezogen. Außerdem haben wir 4 90W GoalZero Solarpaneele am Dach.

 

 

Wie viele Kilometer habt ihr bis jetzt hinter euch?

Emily: Ungefähr 56.320 km, allerdings ist unser Kilometerzähler vor ein paar Wochen kaputt gegangen. Ist aber nicht schlimm. Uns geht’s nicht um die Zahl, sondern um die Zeit, das ist das schönste Geschenk.

 

Ihr seid seit 2012 unterwegs, spielt ihr mit dem Gedanken euch irgendwann wieder niederzulassen?

Emily: Kalifornien wird für uns immer Zuhause sein – dort leben fast all unsere Freunde und Familie. Allerdings ist es ein Zuhause, nicht das Zuhause. „Daheim“ ist für uns ein dehnbarer Begriff und passt nicht in die gängige Form. Wir nennen den Wagen unser Zuhause, aber eigentlich ist es die Welt.

Vielleicht werden wir eines Tages weniger nomadenhaft sein. Unser Traum: eine Öko-Lodge mit einem Selbstversorgergarten eröffnen, inklusive kleinem Restaurant und Atelier. Hinterm Haus sollten ein großer Wald und ein Fluss sein. Allerdings müssen wir dafür an einem Ort bleiben. Wir sind offen für die Zukunft. Fürs Erste ist unser Leben eines in Bewegung und jeder Tag ist aufregend.

 

Ihr habt 2 kleine Kinder. Wie ist das Leben für sie? Wie funktioniert das mit Kindergarten und Schule?

Emily: Colette wird im Jänner 5 und Sierra ist 1 ½. Sie lieben das Leben in der Natur! Colette hat viele Lernbücher und liebt es wenn wir unterwegs „Schule machen“ und lesen, schreiben und rechnen üben – das wird auch road-schooling oder world-schooling genannt. Aber jenseits von Büchern fördern wir es, unseren Kindern Dinge beizubringen, indem sie uns Fragen stellen. Dadurch entspinnen sich wunderbare Diskussionen wo sich viele Themen verbinden lassen.

 

Wie lernen eure Töchter andere Kinder lernen und wie bleiben sie in Verbindung?

Emily: Das Internet und vor allem Skype, Email und Facebook helfen uns mit unseren Lieben in Kontakt zu bleiben. Einmal im Jahr fliegen wir nach Hause um alle persönlich zu sehen. Wenn wir unterwegs sind, sind Parks ein guter Ort, um für die Mädels neue Freunde zum Spielen zu finden. Oft ist es auch so, dass wir Menschen kennenlernen, die uns gerne länger bei sich hätten, was ein wirklich nettes „Problem“ ist. (lacht)

 

Wie lange bleibt ihr normalerweise an einem Ort?

Emily: Ob spontan oder mit festem Plan, bei unseren Reisen spielen Wetter und natürlich Geld, eine entscheidende Rolle. Meistens spüren wir einfach hin, gefällt und der Ort? Dann beschließen wir, ob und wie lange wir bleiben wollen. Am Anfang unseres Abenteuers hatten wir eine feste Regel: Wenn jemand von uns den Ort nicht mag, dann fahren wir weiter – ohne Fragen. Im Endeffekt gilt es einfach auf seine Intuition zu hören.

Wir lieben Diversität! Die hohen Berge und das Meer, die kulturellen Freuden in Großstädten und den Charme von Kleinstädten, tiefen Wäldern und riesigen Wüsten. Das Leben auf der Straße steht uns ziemlich gut, wo auch immer das sein mag.

 

Wie schaut’s mit dem Essen aus? Was macht ihr in Gegenden wo kein Supermarkt ist? Holt ihr euch vieles direkt aus der Natur?

Emily: Ich investiere gerne Zeit, damit wir auch immer genug zu Essen haben. Am Anfang hatten wir etwas Bammel, ob wir so gut essen werden, wie wir es gewöhnt sind. In unsrer Heimat Los Angeles hatten wir das Glück, von Aleppo Pfeffer über Atemoya bis ägyptischen Kamillenblütensirup alles zu bekommen. Das ist beim Leben auf der Straße natürlich nicht so, dafür gibt es aber biologische und regionale Lebensmittel.

 

 

Und natürlich essen die Menschen überall auf der Welt. Wir haben immer irgendetwas in unserem Kühlschrank. Früchte, Nüsse, Gemüse und verschiedene Getreidesorten kaufen wir auf Bauernmärkten oder Marktständen an der Straße in kleinen Dörfern. Wann immer wir in Großstädten sind, stocken wir unsere Vorräte an getrockneten Früchten, Miso, Nori und Tahini auf. Die normalen Supermärkte müssen nur für die restlichen, sonst nirgends erhältlichen Dinge herhalten.

 

 

Bevor wir uns in die Wildnis begeben, stocken wir unsere Vorräte gut auf. Allerdings schenkt einem die Natur auch vieles: In Patagonien haben wir Calafate Beeren, in Mexiko und Ecuador Kokosnüsse und Bananen, in Chile Brombeeren im Sommer und Äpfel und Birnen im Herbst geerntet. Adam geht zusätzlich des Öfteren an Flüssen angeln.
Wir haben auch schon bei Bauern mitgeholfen und wurden mit Essen beschenkt. Woher unser Essen kommt und der Kreislauf von Nahrung sind uns sehr wichtig, das erklären wir auch unseren Töchtern. Ein großer Teil der globalen Wirtschaft basiert auf Lebensmitteln. Wie wir unser Geld ausgeben, entscheidet daher über eine nachhaltige Wirtschaftsform.

 

Was macht ihr wenn euer Auto im Nirgendwo kaputt geht? Habt ihr gelernt, wie man Dinge am Auto repariert?

Emily: Wir machen hier klare Arbeitsteilung: Das Auto macht Adam! Auf seine Erfahrung können wir nicht verzichten. So zu reisen, ohne sich mit Motoren auszukennen, kann ganz schön mühsam werden, sag ich euch! Mit Internet-Zugang ist es allerdings auch leichter als früher, Probleme ausfindig zu machen. Trotzdem kommen wir auch auf die Hilfe von Mechanikern zurück.

 

Was würdet ihr anderen empfehlen, die auf die gleiche Reise gehen wollen?

Emily:

A dream written down with a date becomes a goal. A goal broken down into steps becomes a plan. A plan backed by action makes your dreams come true. – Greg S. Reid.

 

Als moderne, viel beschäftigte Menschen ist es einfach, die Verbindung zur Natur und den Rhythmen der Umwelt zu verlieren. Trotzdem sind die meisten Menschen nur ein paar Stunden von stillen, abgeschiedenen Plätzen entfernt.

Außerdem sollte man keine Angst haben, mit Kindern zu reisen. Abseits der Trampelpfade sieht man, dass die Leute überall Kinder haben und lieben – also macht euch keine Sorgen, denn eure Kinder werden mehr umarmt und geküsst werden, als ihr für möglich haltet.
 

 

Wollt ihr uns noch etwas mitgeben?

Emily: Je weiter entfernt man vom westlichen Komfort ist, desto leichter fällt es einem, sich von Dingen zu distanzieren, die einen ablenken anstatt sein Leben zu bereichern. Unser Horizont erweitert sich je mehr wir danach streben, unsere Welt kennenzulernen. Durch Interaktion und Erfahrungen mit den Menschen, die wir treffen und den Orten, die wir besichtigen. Wir hoffen, dass die Entscheidung, unsere Töchter so zu erziehen, sie zu liebenswürdigen, intelligenten, wissbegierigen Erdenbürgerinnen macht.

 

Danke Emily, Adam und Mädels für dieses tolle Interview!

 

Die wunderschönen Bilder ihrer Reise kann man hier anschauen: https://instagram.com/ouropenroad/
Weitere Blogbeiträge über ihre Abenteuer gibt’s hier: http://ouropenroad.com

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Theresa Steininger

von Wohnwagon - berichtet über ihre Erfahrungen und plaudert aus dem Nähkästchen drauf los.