Terra Preta: Do It Yourself!

Terra Preta – gesunde Böden gegen den Klimawandel

 

Es ist Zeit, den Kreislauf umzudrehen. Bisher haben wir Kohlenstoff in unterschiedlichster Form der Erde entnommen und in die Luft gepufft. Wir haben unsere Böden durch Überdüngung und industrialisierte Landwirtschaft so hergenommen, dass sie kaum mehr  Wasser, Nährstoffe und CO2 speichern. Es muss wiederum mehr gedüngt werden. Die Veränderung des Klimas ist so messbar und spürbar, dass kaum mehr gezweifelt wird: Wir müssen was tun. Ein spannender Gedanke, der uns schon ein paar Jahre begleitet: Drehen wir das Spiel um! Kümmern wir uns um gesunde Böden, binden wir bewusst und aktiv CO2 im Boden, erhöhen wir die  Speicherfähigkeit, die Fruchtbarkeit, starten wir einen Kreislauf in die Gegenrichtung. Ein möglicher Schlüssel dafür: Terra Preta.

 

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In unserem ersten Blog zum Thema Terra Preta ging’s um die Herkunft der sagenumwobenen Terra Preta (Schwarzerde). Wir haben uns angeschaut, wie es den brasilianischen Ureinwohnern gelang, mit ihrer Hilfe Millionen von Menschen mitten im Urwald zu ernähren. Nun widmen wir uns der Praxis: Wir möchten lernen, wie man Terra Preta selber herstellt! Dazu brauchst Du weder spezielle Vorkenntnisse, noch großartige handwerkliche Fertigkeiten. Eine gesunde Portion Interesse und Do-It-Yourself Spirit genügt allemal.

 

Wir stellen Dir heut 3 verschiedene Möglichkeiten zur Herstellung von Terra Preta vor:

  • Stapelkompost

  • Küchenbokashi

  • Hochbeet aus Gitterboxen

 

Das Prinzip ist stets ähnlich und kann auch nach oben skaliert werden. Auf einem landwirtschaftlichen Hof nimmt der Bauer dann einfach ein Vielfaches der hier beschriebenen Mengen.

Ein wichtiges Hilfsmittel ist Pflanzenkohle. Die bekommst Du bei uns im Shop oder kannst sie auch selber herstellen.

 

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Gehn wir's an!

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Terra Preta Einstreu Kompost
Stapelkompost

Hast Du einen kleinen Garten? Dann bau Dir doch einen Stapelkompost! Dazu reicht ein offener Bretterverschlag, wenn Du ein behagliches Plätzchen unter einem Baum dafür hast. Der Kompost sollte nämlich vor Regen und starker Sonneneinstrahlung geschützt sein. Wenn es keine geschützte Stelle gibt, empfiehlt sich ein geschlossener Verschlag.

Austretende Flüssigkeit sollte problemlos abfließen können, also: Besser nicht mitten in eine Grube setzen. Beim Holz entscheidest Du dich am besten für schwer verrottende Arten, wie z.B. Lärche. Kompost am besten unweit Deiner Küche platzieren, das ist praktisch. Ab einer Seitenlänge von 1 Meter macht der Stapelkompost Sinn, kann aber auch größer sein.

 

Für einen Stapelkompost benötigst Du

 

Komposter vs. Stapelkompost?

Ich hab mich gefragt: Was ist der Unterschied zum klassischen Komposter? Aussehen tun die zwei gleich! Die Prozesse im Inneren machen’s aus. Die klassische Kompostierung ist per se ein aerober Zersetzungsvorgang (= mit Sauerstoff). Beim Stapelkompost finden aerobe und anaerobe Prozesse zugleich statt: Kompostierung (aerob) und Fermentierung (anaerob) wechseln sich kleinräumig ab und spielen sich gegenseitig den Ball zu.

 

Futter? Gut zerkleinertes organisches Material

Stapelkompost aufgestellt? Lunchtime! Die erste Fütterung steht bevor. Prinzipiell eignen sich alle Küchenabfälle. Zerkleinern, tüchtig mit Laub, Ästen und Co. aus dem Garten vermischen und ab in den Stapelkompost.

Nun kommt die Spezialzutat: Das Pflanzenkohlepulver. Zu 10 Teilen Küchen- und Gartenabfällen gehört 1 Teil feuchtes Pflanzenkohlepulver. Abschließend alles festpressen, sodass möglichst wenige Hohlräume in der zukünftigen Wundererde entstehen. Das begünstigt die Fermentation.

Mehrmals pro Woche fütterst Du den Stapelkompost mit Resthäppchen aus Küche und Garten. Im Idealfall mischst Du das Pflanzenkohlepulver jedes Mal anteilsmäßig dazu und presst es anschließend fest. Einfacher ist es aber, wenn Du einfach am Wochenende einmal eine g’scheite Portion in den Stapelkompost leerst und alles durchmixt. Das geht auch. Am Schluss festtrampeln und fertig.

 

Eine Reise zurück in der Zeit

Jeder Wiffzack sieht: Schon nach wenigen Wochen entstehen Schichten unterschiedlichen Alters und Zersetzungsfortschritts.

Weiter oben werkt die Fermentation, die ungefähr 1 Monat dauert und ohne Sauerstoff abläuft (darum das Festpressen). Sie stellt die 1. Phase dar.

Je tiefer man vordringt, desto mehr Sauerstoff ist im Spiel. Nun wird bereits fleißig kompostiert, wir befinden uns in der 2. Phase. Dieser Vorgang benötigt 3-6 Monate und wird auch Vererdung genannt. Je mehr Regenwürmer hier mitspielen, desto besser. Du willst nachhelfen? Kauf dir eine kleine Wurmpopulation!

Spätestens nach 6 Monaten kannst Du also endlich losziehen und die frische Schwarzerde als Dünger verwenden, um Deine Pflanzen aufpäppeln.

 

„Halt ihn feucht und tritt ihn feste, das ist für den Mist das beste“

Flüssigkeit und Dichte sind die entscheidenden Faktoren in diesem Spiel.

  • zu trocken? Die Mikrobiologie geht flöten und der Umsetzungsvorgang kommt zum Erliegen. Einfach beim Bewässern deines Gartens miteinbeziehen, dann geht’s den Mikroorganismen gleich besser.
  • zu nass? Das führt zu Fäulnis und Nährstoffauswaschung. Dagegen hilft ein schützender Baum, Bretter zum Drauflegen oder auch eine Schicht Laub, an der Wasser seitlich abfließen kann. Feuchtigkeit im Haufen, ja, aber tropfnass soll’s nicht sein! Wir überprüfen das immer mit der Faustprobe: Nimm’ einen Batzen in die Hand, drück’ und verdichte ihn zu einer Kugel. Dabei darf kein Wasser rausquellen. Die Konsistenz sollte nicht zu fest sein: Die Kugel sollte leicht wieder zerfallen, wenn Du mit dem Finger draufdrückst.

Meist merkt wahrscheinlich Deine Nase als erstes, dass etwas nicht stimmt: Wenn’s im Stapelkompost fault, werden Ammoniak und Methan freigesetzt. Nicht schön. Abhilfe schafft eine Runde Umgraben, eine Portion Pflanzenkohlepulver oder auch etwas EM-Lösung.

 

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kuechenbokashi-eimer
Küchenbokashi

Die platzsparende Variante! Darum: Stadtkinder aufgepasst, das funktioniert auch mit einem Minibalkon! Bokashi ist japanisch und bedeutet Allerlei. Gemeint sind hier fermentierte, organische Materialien aus der Küche.

 

Das benötigst Du für ein Küchenbokashi

 

So gehst Du vor:

1) Küchenabfälle in kompostierbaren Sackerln sammeln und regelmäßig Pflanzenkohle-Einstreu beigeben.

2) Volle Sackerl in Bokashi-Eimer packen, g’scheit verdichten, mit Sandsack beschweren und Bokashi-Eimer luftdicht verschließen.

 

Bokashi_Eimer_befuellt
(c) https://www.em-chiemgau.de/kuechenbokashi-leicht-gemacht/

 

3) Wenn der Bokashi-Eimer voll ist, dauert die Fermentation noch ungefähr 1 Monat. 20°C ist das Minimum, bei kälterer Witterung also ab in die Wohnung damit. Dank luftdichtem Deckel bleibt etwaiger Gestank dort , wo er entsteht.

 

4) Für das Finale gibt es 2 Alternativen:

  1. Mit Garten: Auf den Kompost oder in Stapelkisten damit, wo sich Regenwürmer und Co. die fermentierte Organik vornehmen. Analog zur Variante Stapelkompost dauert die Vererdung noch 2-6 Monate.
  2. Mit Balkon: In eine Tonne damit, Erde dazu, abdecken und noch ca. 1 Monat warten. (siehe Foto)

 

Beide Alternativen haben feinen Humus von dunkler Farbe als Ergebnis: Das bedeutet hoher Kohleanteil, worauf Mikroorganismen besonders scharf sind.

Du hast soeben deine eigene Terra Preta hergestellt! Im Idealfall bedeutet das stabile, fruchtbare Erde, die über lange Zeit Nährstoffe, CO2 und Wasser speichert und nicht nur deinem Garten gut tut, sondern auch künftigen Generationen Freude machen wird.

 

Mach ich das auch richtig?

Ja, wenn das Bokashi süß-säuerlich riecht, ähnlich wie Silage oder Sauerkraut. Wenn’s stink oder gar Schaum und Gärblasen entstehen, läuft was verkehrt. Mit ein wenig Pflanzenkohlepulver lässt sich das Problem schnell beheben, ebenso helfen Effektive Mikroorganismen oder Joghurtlebendkulturen.

Ideal ist ein gelblich-bräunlicher Farbton und eine Art weißer Rasen, die sogenannten “Hyphen” der Hefepilze. Die sorgen auch für den Geruch. Gelbe oder rötliche Beläge bedeuten Fäulnis!

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hochbeet-aus-gitterboxen-selbermachen
Hochbeet aus Gitterboxen

Diese Variante eignet sich gut für Minigärten und besteht aus einem Stapel aus zwei Gitterboxen. In der oberen Box (Gemüsebox) wird fleißig gegärtnert, in der unteren (Erdbox) reift Terra Preta heran. Nach der Saison tauschen die Boxen Platz und Funktion.

Kleiner Tipp vorweg: Am besten funktioniert ein Hochbeet im Team mit einem Küchenbokashi, das die wichtigste Zutat für die Erdbox liefert: Fermentierte Organik.

 

Das benötigst Du für ein Hochbeet aus Gitterboxen

  • Zwei Boxen mit Öffnungen zumindest an der Unterseite. Bodenlebewesen sollen schließlich mit von der Partie sein und von unten in die Boxen krabbeln.
  • Karton oder dergleichen
  • Gartenerde
  • Küchenbokashi

 

So wird’s gemacht:

  1. Passenden Standort für Dein Hochbeet auswählen. Genügend Wasser und Licht sind wichtig, und es gilt auch hier: Nähe zur Küche ist praktisch.
  2. Die Seiten beider Boxen innen mit Karton auskleiden. Dadurch rieselt später keine Erde heraus und der Wasserverlust hält sich in Grenzen.
  3. Erdbox 10 cm hoch mit Gartenerde füllen. An den Rändern höher, damit das Küchenbokashi, das anschließend draufkommt (beispielsweise der Inhalt eines 16-Liter-Bokashi-Eimers), nicht nach draußen riecht.
  4. Schließlich Box bis zum Rand wieder mit Gartenerde füllen. Mengenverhältnis Bokashi und Gartenerde in der Erdbox: 50:50.
  5. Gemüsebox auf die Erdbox stellen und mit einem Gemisch aus Gartenerde und vererdetem Küchenbokashi füllen (Endprodukt des Bokashieimers, alternativ dazu gereifter Kompost).

Fertig ist das Hochbeet, das Gärtnern kann beginnen! Vor allem „Quadratgärtnern“ empfiehlt sich.

Nach der letzten Ernte der Saison beginnt alles wieder von vorn:

  1. Hälfte der Erde aus der Gemüsebox entfernen
  2. Boxen tauschen
  3. Wie zu Saisonbeginn verfahren: Küchenbokashi in Erdbox (ehemalige Gemüsebox) einfüllen und mit Erde abdecken.

Die ehemalige Erdbox steht nun obendrauf und beinhaltet kompostierten, vererdeten Bokashi der zu fruchtbarer Terra Preta Erde geworden ist. Wunderbare Ausgangsbedingungen fürs nächste Gärtnerjahr!

 

Das besondere an dieser Methode ist die jährliche Zufuhr von Pflanzenkohle (als Teil des Küchenbokashi). Sie reichert sich stetig an und bietet Millionen von Mikroorganismen ein Heim. Zudem speichert sie Nährstoffe und Wasser. Von Jahr zu Jahr verbessert sich Deine Terra Preta ohne großes Zutun, denn das Gros der Arbeit verrichten die Pflanzen und die Bodenlebewesen, indem sie prächtig gedeihen und sich nonstop den Bauch vollschlagen.

 

Zusatzinfo Hochbeet:

  • Hochbeete bieten Angriffsflächen für Wind und verlieren schnell an Feuchtigkeit, drum ist regelmäßiges Gießen äußerst wichtig.
  • Wieviele Stapel können meine Küche und ich mit Bokashi beliefern? Eine Person produziert genügend Küchenabfälle für 6-10 Stapel. Es können jedoch auch Ausscheidungen verwertet werden.
  • Karton: Unbedruckten Karton verwenden, sonst reichern sich Schadstoffe im Substrat an.

 

 

Allgemeine Tipps zu Stapelkompost, Küchenbokashi und Hochbeet:

 

Welche Temperatur darf’s sein?

Die besten Ergebnisse liefert die Fermentation bei 35 – 40°C. Über 20°C ist gut, unter 8°C machen Deine Mikroorganismen Winterschlaf. Im Winter beschäftigt man sich also besser mit einem Küchenbokashi, denn im Stapelkompost tut sich nicht viel.

 

Was darf’s sein, und wie groß?

Unseren Helferlein geht’s gleich wie uns Menschen: Je kleiner die Happen, desto schneller werden sie verdaut. Stücke so groß wie ein Daumennagel sind ideal. Der konventionelle Komposthaufen schluckt ja bekanntlich nicht alles, was sich in der Küche an Abfällen anhäuft. Stapelkompost und Küchenbokashi sind da weniger wählerisch:

  • rohes Gemüse
  • gesalzene, gekochte und verdorbene Speisereste (in Maßen)
  • gespritzte und ungespritzte Zitrusfrucht- und Bananenschalen
  • Haare und Fingernägel
  • Grünschnitt, Tannennadeln, Laub, kleine geschnittene Zweige, Holzhäcksel, Stroh,
  • Mist von Hühnern, Pferden, Schweinen, Rindern und Menschen, sowie Inhalt von Katzenklos (wenn die Streu aus Sägespänen besteht oder mineralischen Ursprungs ist)
  • Fleischreste und Knochen

Und Gartenabfälle? Hauptsache, sie lassen sich gut verdichten! Laub muss also nicht zerkleinert werden. Äste sollten hingegen zerkleinert werden, denn je größer die Oberfläche des Materials, desto schneller wird es zersetzt.

 

Ratten, Mäuse, lästiges Ungeziefer?

Der Küchenbokashi-Eimer schließt luftdicht. Auch beim Hochbeet gibt es keine Probleme, da das der Erdbox beigegebene Bokashi von Gartenerde umgeben ist und somit größeren Tieren keinen Zugang bietet.

Und der Stapelkompost? Ratten und Co. werden von Gerüchen angelockt, speziell von Fleisch und anderen eiweißhaltigen, gekochten Lebensmitteln. Davor schützt Sorgfalt: Fleischreste stets zerkleinern und wie oben beschrieben mit Küchen-, Gartenabfällen und Pflanzenkohlepulver vermengen. Festpressen. Die Pflanzenkohle verhindert starke Geruchsbildung. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann eine Abdeckschicht aus Pflanzenkohlepulver und Laub obendrauf geben. Oder man benützt von vornherein einen geschlossenen Komposter.

 

Alle Unklarheiten beseitigt? Na dann: Kümmern wir uns um gscheite Böden! Machen wir Terra Preta. Los geht’s!

 

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Quellen:

  • „Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ von Ute Scheub, Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt
  • http://www.triaterra.de/Praxis-Stapelkompost
  • http://em-chiemgau.de/pdf/pdf605.pdf
  • http://www.em-aktiv.de/anwendung/produkterweiterungen.html
  • http://www.hifas.eu/files/Herstellung-von-Kuechenbokashi.pdf
  • http://www.der-boden-lebt.nrw.de/naturtip/nt_04.htm
  • http://www.haus.de/garten/nutzgarten/richtig-kompostieren-wenn-es-probleme-gibt.htm

 

 

AutorIn

Das Wohnwagon-Team

erklärt dir wie du Terra Preta selbst herstellen kannst.

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