Test: Sampada Holzvergaserofen

Kein einfacher Ofen – ein ausgewachsener Holzvergaser!

Der Sampada Ofen macht sich gut als Grill bei der Gartenparty oder einfach nur als Wärmequelle, wenn Du fröstelst – und produziert dabei beste Holzkohle! Er verbrennt so ziemlich alles (Holz, Reisspelzen, Nussschalen…). Dabei ist er auch noch besonders effizient in der Verbrennung (Holzvergasung!) Mit der Holzkohle hast Du eine perfekte Grundlage für Terra Preta, Pflanzendünger und vieles mehr! Wie man mit dem Sampada kocht und über Pyrolyse eigene Holzkohle macht, erfährst Du, wenn Du weiterliest.

 

Produktumfang

Ein dankbares Produkt, dieser Sampada Ofen, besteht er doch gerade mal aus 3 Teilen:

  • Brennkessel aus Stahl (in rotbraun): Hier füllst Du das Brennmaterial ein, das dann zu Holzkohle vergast (= Verbrennen ohne Sauerstoff). Unten sorgen kleine Löcher für ausreichend Luft. In der Mitte des Brennkessels führt ein Rohr mit Löchern in die Höhe, durch die das Holzgas austritt und verbrennt. Der Brennkessel ruht siegessicher auf 4 stabilen Füßen.
  • Edelstahlhülle: Wird über den Brennkessel gestülpt. Mit Henkel.
  • Topfgestell: Zum Topfabstellen. Nimmt auf der Stahlhülle Platz.

 

Foto vom Sampada Ofen, einem Holzvergaserofen

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Standort, Werkzeug und Sicherheit

Grundsätzlich gilt: Hausverstand einschalten, wir hantieren mit Feuer.

  • Feuerlöscher in Reichweite
  • Windrichtung beachten
  • gscheites Werkzeug bereitstellen: Zange, Ofenhandschuhe, Zündhölzer usw.

Wir verwenden den Sampada ausschließlich im Freien. Indoor solltest Du unser Freundchen nur mit äußerster Vorsicht und ausreichender Belüftung verwenden.

Während dem Betrieb darf der Ofen nicht bewegt und nur mit geeigneten Schutzhandschuhen bedient werden, da das gesamte Gestell sehr heiß wird.

Der Sampada bevorzugt ebenen, harten Untergrund und verträgt sich generell schlecht mit leicht feuerfangenden Materialien. Also Sicherheitsabstand beachten! Wie Du auf dem Foto sofort erkennst, haben wir unsere eigene Interpretation vorgenommen: Unser Sampada stand auf 3 Steinplatten – auf einem Biertisch. Das machst Du bitte gscheiter, ja? Wir reden uns auf schönes Fotos raus.

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Brennmaterial

Einen Saumagen hat er, dieser Sampada Ofen, denn er kommt mit so ziemlich allem zurecht, solange es sich um Biomasse handelt. Egal ob Holzstücke, Äste, Zweige, Hackschnitzel oder Spelzen, wenn das Material trocken ist, passt’s. Sogar über Kartoffelschalen, Nussschalen und Olivenkerne freut er sich!

Analog zu unserem Biolite Campstove Produkttest empfehlen sich:

  • leicht entzündbar: Anzünder, Kienspan, Birkenrinde, etc. oder auch eine Ausgabe eines Qualitätsmediums wie der „Heute“.
  • guter Brennwert, also gut zum Kochen: Tanne, Ahorn, Birke, Eiche

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Burn, Ofen, burn!

Hast Du alles beisammen, steht dem feurigen Vergnügen nichts mehr im Weg:

  • Brennkessel zur Hälfte mit Brennmaterial füllen: Eine anständige Mischung aus leicht entzündlichen und länger brennenden Materialien führt zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Nicht zu dicht stapeln! Luft zuwacheln, wenn’s stockt und stottert (von oben, aber auch seitlich zu den Belüftungslöchern).
  • Sobald das Feuer gscheit brennt: Stahlhülle drüberstülpen und abwarten.
  • Wenn die Flammen nach oben zum Rand wandern, startet der Vergasungsprozess der Biomasse. Nun nur noch das Topfgestell draufsetzen und schon kann der Chef mit seinem anarchischen Kochsystem loslegen. Erdäpfelgulasch, Chili sin Carne, was auch immer. Töpfe und Pfannen aller Art ruhen sicher auf dem Topfgestell. Sollte die Hitze zurückgehen, kann nach Belieben Brennmaterial nachgelegt werden.
  • Wenn sich die Flammen wieder nach unten zurückziehen, ist die Vergasung abgeschlossen. Ohne Zutun verbrennen und verglühen Holzreste und Glut nun normal weiter bis nur noch Asche übrigbleibt. Das wollen wir aber nicht! Es soll ja Holzkohle überbleiben. Dafür löscht man die Glut nach dem Abklingen der Vergasung mit Wasser. Dazu kippst Du auf eine geeignete Fläche (Beton, Metallwanne oder Ähnliches) oder löschst direkt in der Brennkammer. In jedem Falle vorsichtig vorgehen, es entsteht viel heißer Wasserdampf. Unbedingt geeignete Handschuhe tragen (kein Plüsch) und Rohrzange verwenden. Nach dem Löschen in der Brennkammer die nasse Holzkohle auskippen und trocknen lassen, voilá! Fertig ist die Eigenbau – Holzkohle im Mini – Pyrolyse – Verfahren! Noch dazu hast Du eine interessante Story parat, für Deine Freunde bei der nächsten Grillage.

 

Doch aufgepasst, es kommt noch besser: Mach doch Pflanzendünger draus!

Dazu zerstampfst Du die Holzkohle zu Granulat (1) und vermischt es mit Steinmehl (2) und Sägespänen (3).

(1) bietet Lebensraum für Mikroorganismen und speichert Nährstoffe, (2) liefert wichtige Mineralien und (3) saugt Wasser auf, wenn’s zuviel davon gibt. Aufgepasst bei (1): Wenn Du stampfst wie wild bis es pulvert, freuen sich Deine Pflanzen lediglich bis zum nächsten Regen. Der wäscht das Holzkohlepulver nämlich wieder aus dem Boden.

Holz – bzw. Pflanzenkohle ist ein Multitalent in vielen unterschiedlichen Bereichen: Wasserreinigung, Bodenaufbereitung, Wandputze, Medizin, Futterzusatz für Tiere, Geruchsverminderung in Viehzucht … Die Profis vom Ithaka – Journal listen sage und schreibe 55 Anwendungen von Pflanzenkohle. Auch wir haben uns ausführlich mit Pflanzen – und Aktivkohle beschäftigt, klick hier!

 

Was viele nicht genau wissen…

Worin genau unterscheiden sich Kohle und Asche eigentlich? Beide sind Teil des Verbrennungsprozesses, bei dem organische Substanzen (also Dinger mit Kohlenstoff drin wie z.B. Holz) thermisch zersetzt werden. Wenn Holz verbrennt, wird es zuerst schwarz, es verkohlt. Dabei treten alle flüchtigen Stoffe aus, verbrennen (=Vergasung) und hinterlassen das pechschwarze Kohlenstoffgerüst, die Kohle. Verbrennt nun die Kohle, verwandelt sich der Kohlenstoff in Rauchgase wie CO2, CO und NOx, die in die Luft entweichen. Übrig bleiben weißliche Mineralstoffe und unbrennbare Substanzen, die Asche.

 

Im Sinne des Allgemeinwohls!

2006 in Indien am ARTI (Appropriate Rural Technology Institute) entwickelt, verbessert der Sampada Holzvergaserofen die Kochbedingungen in mittlerweile unzähligen indischen Haushalten. (Ebenso wie unser Sarai) Lange Zeit wurde hauptsächlich mit ineffizienten Rußschleudern gekocht, und zwar im Inneren von Gebäuden, ohne angemessener Belüftung. Jährlich 500.000 indische Frauen und Kinder verloren dadurch frühzeitig ihr Leben.

Der Sampada ist nicht nur eine nahezu emissionslose Kochstelle sondern liefert auch Pflanzenkohle. Diese ist teurer als Holz und kann an Schmieden und Goldschmiede verkauft werden, ein kleiner Nebenerwerb für die Familie. Der Sampada reduziert also für unzählige Menschen das Gesundheitsrisiko und schafft einen kleinen ökonomischen Mehrwert. Super Errungenschaft!

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Testergebnis nach Kategorien:

Autarkie – Faktor: 10 von 10 Punkten – Der Sampada Holzvergaserofen wärmt, kocht und produziert bei Bedarf Holzkohle. Als „Allesfresser“ ist ihm wurst, was reinkommt, verbrennt effektiv und liefert stets ein hübsches Feuerchen. Für einen autarken Lebensstil gerade richtig, fallen übers Jahr doch verschiedene verwertbare Materialien in unterschiedlichen Mengen an (trockenes Astwerk vom Baum- und Strauchschneiden, Laub, Nussschalen, Karton, getrocknete Obstschalen,…). Und die lassen sich mit diesem Kocher direkt verwerten – und die Kohle kann danach immer noch auf den Kompost.

Öko – Fußabdruck: 7 von 10 Punkten – Stahl herzustellen ist kein Klacks und verlangt der Umwelt einiges ab: Landverschandelnder Erzabbau und energieintensive Verarbeitung in CO2 – speienden Fabriken. Doch lass uns relativieren: Wir haben es hier mit einer relativ geringen Menge Stahl zu tun, welche robust verbaut ist und bei umsichtiger Verwendung viele Jahre durchhält. Außer den thermischen ist der Sampada Ofen in der Regel keinen Belastungen ausgesetzt. Diese für Stahl relativ harmlosen Temperaturen stellen wohl keine ernsthafte Bedrohung dar.

Potenzial hat der Sampada in Sachen Klimaschutz: Wenn Du die Pflanzenkohle als Bodenverbesserer nutzt, speicherst Du langfristig CO2. Nur zu! Er kann auch als Grundlage für Terra Preta dienen.
Hier haben wir ein wenig für Dich zu Terra Preta zusammengeschrieben.

Und der Brennstoff? Der genügsame Bedarf ermöglicht mehr Hitze mit weniger Ressourceneinsatz. Allerdings nur im Idealfall. Fehler passieren nun mal! Wenn das feuchte Holz die halbe Nachbarschaft zuqualmt, steht die Ökologie unter keinem guten Stern. Wenn’s Schwierigkeiten mit unserem Lieblingsofen gibt, einfach bei uns melden: Wir helfen beim Troubleshooting!

Lifestyle & Spaß: 9 von 10 Punkten – Zündeln macht immer Spaß, vor allem mit einem ausgewachsenen Kessel wie diesem. Grillkönige, Hobbygärtner und DIY-Begeisterte sehen darin nicht nur einen attraktiven Zeitvertreib (also ein Spielzeug), sondern entwickeln womöglich eine längerfristige Nutzungsbeziehung, angesichts seiner praktischen Vielseitigkeit.

Außerdem: Ins richtige Licht gerückt, zum richtigen Anlass geschmückt, macht der Sampada auch rein äußerlich einen feinen Eindruck. Einfaches Design wirkt eben! Ob nun als stylische Wärmequelle beim Dinner im Freien oder als ökologische Alternative beim Grillen: Es geht kaum ohne Statement.

Praktisch: 7 von 10 Punkten – Im Sinne von „auf die Praxis“ bezogen: Total! der Sampada hat 2 klare Zwecke, die er effektiv meistert: Hitze und Kohle. Wir hatten keinerlei Probleme und stellten schon beim ersten Versuch mit diesem Kochsystem erfolgreich Holzkohle her, das motiviert!

Allerdings bleiben manche Wünsche unerfüllt, z.B. lässt sich der Betrieb kaum regulieren. Entweder nichts tun oder Holz nachlegen, mehr Steuermöglichkeiten gibt’s während der Vergasung nicht. Weiters würden sich ein, zwei isolierte Griffe als sehr praktisch erweisen. Wenn der Sampada mal richtig heizt, solltest Du den einzelnen Bauteilen ohne Schutzbekleidung nicht zu nahe kommen.

Innovativ: 8 von 10 Punkten – Gut, das Funktionsprinzip der Kohleherstellung ist nichts Neues, aber als Alternative zur Grillstelle im Garten ist das Teil sehr wohl innovativ. Oder hat Dir schon mal jemand davon erzählt, dass er zuhause Holzkohle herstellt? Im Vergleich zu den Riesenmaschinen, die den Job heutzutage normalerweise erledigen, gleicht der Sampada Ofen einem Wunder: Klein aber oho!

 

FAZIT

Trotz oder vielleicht auch aufgrund seines einfachen Aufbaus und schlichten Designs verblüfft der Sampada Holzvergaserofen. All die nützlichen Fähigkeiten, er hinterlässt einen zufriedenstellenden Eindruck. „Wieso nicht schon immer so?“ fragen wir uns zu Recht. Spring ins kalte Wasser und mach Dir Dein eigenes Bild! Die Finger verbrennt man sich auch bei konventionellen Grillern, ab und zu.

AutorIn

Theresa Steininger

von Wohnwagon - berichtet über ihre Erfahrungen und plaudert aus dem Nähkästchen drauf los.

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