Öko-Dämmstoffe – Es geht ums Wohlfühlen!

Heut geht’s um Dämmstoffe – ein ganz zentrales Thema beim Wohnen! Die Dämmung hat enorme Auswirkungen auf Wohnklima und Gesundheit. Gerade bei der Affenhitze im Sommer (mit der wir beim Schreiben dieses Artikels gerade kämpfen) ist klar: Eine gute Dämmung muss die Hitze im Sommer draußen halten – im Winter die Wärme drin. Soweit so gut. Aber wie geht’s richtig? Und was ist ein „ökologischer Dämmstoff“?

Aus aktuellem Anlass zum Start ein paar Tipps:

Wie halte ich meinen Wohnraum im Sommer kühl?

Pflanzen im Innenraum sorgen für Wasser-Verdunstung und senken somit ein wenig die Zimmertemperatur.

Sämtliche Geräte produzieren Abwärme: Schalt‘ ab was Du nicht brauchst!

Nachts gut durchlüften, Jalousien schließen bevor die Sonne wieder scheint.

Auch ein Ventilator sorgt durch Luftzug für mehr Verdunstung (evtl. zusätzlich nasses Geschirrtuch drüberhängen) – Miniklimaanlage.

Ökologisch oder nicht – Alles logo?

Der Einsatz von ökologischen Baustoffen senkt den Energieverbrauch, sorgt für ein gesundes Wohnklima und schont nebenbei auch die Umwelt. Langfristig also besser für alle. Mittlerweile schreibt ja jeder „natürlich“ „öko“ und „nachhaltig“ auf die Verpackung. Drum schauen wir mal genauer hin:

Wann ist ein Dämmstoff „ökologisch“?

  • geringe Umweltbelastung & geringer Energiebedarf bei der Herstellung (geringe Produktionswege, wenig Energieeinsatz, keine schädlichen Abgase / Abwässer,…)
  • sorgt für ein gesundes Raumklima (keine schädlichen Ausdünstungen, atmet,…)
  • unproblematische Entsorgung & Wiederverwertung (einfacher Rückbau, Recycling-Möglichkeit, kompostierbar?)

Ökologische Dämmstoffe bestehen im Idealfall aus natürlichen und vor allem nachwachsenden Ressourcen. Ein paar Beispiele:

Auch mineralische Dämmstoffe werden oft zu den ökologischen Materialien gezählt (z.B. Steinwolle), diese haben aber wesentlich höhere Produktemissionen, drum verwenden wir Sie nur wo es nicht anders geht (z.B. bei Kessel-Isolierungen wo sehr hohe Temperaturen zustande kommen)

Wichtig: Oft werden Chemikalien eingesetzt, um den natürlichen Dämmstoff haltbar zu machen z.B. gegen Motten, als Brandschutz oder um Schimmel vorzubeugen. Für Schafwolle wird hier oft Borsalz verwendet, die Wolle is dann eher was für die Deponie als für den Wohnraum. Einfach den Hersteller fragen wie die Wolle imprägniert wurde! Irgendwie muss man sie behandeln, aber es geht auch natürlich! Unsere Wolle im Wohnwagon wird zum Beispiel mit Thorlan, einem Naturprodukt, gewaschen und ist dann auch gegen Motten geschützt.

Was ist ein guter Dämmstoff?

Stell dir vor Du gehst Dämmstoffe einkaufen…

Die wichtigsten Kriterien zum Vergleicht von Dämmstoffen:

  • Lambdawert, der Wärmedurchgangskoeffizient
  • Dampfdiffusion
  • Brandschutz, Schallschutz
  • Kosten

Ok, das braucht ein bisschen Erklärung

Die eigentliche Funktion des Dämmstoffes, Wärmeverluste zu reduzieren, wird mit der sogenannten Wärmeleitzahl Lambda, bzw. dem Lambdawert λ beurteilt. Dieser wunderschöne Buchstabe entstammt dem griechischen Alphabeth und wird in Watt je Meter Kelvin [W/mK] angegeben. Da geht’s drum wieviel Wärme ein Dämmstoff leiten kann. Je kleiner der Lambda-Wert, umso besser die Dämmwirkung, oder in anderen Worten: Je weniger ein Stoff an Wärme leiten kann, desto besser ist er als Dämmstoff geeignet.

Schlechtere Lambda-Werte können durch höhere Dämmstoffstärken ausgeglichen werden. Die Wärmeleitfähigkeit von üblichen Dämmmaterialien liegt in der Regel zwischen 0,035 und 0,045 W/mK.

Was man auch oft hört: „K-Wert“ das ist der frühere Begriff für den Wärmedurchgangskoeffizienten oder den U-Wert. Dabei wird der Lambda-Wert von oben noch in Bezug auf die Dicke der Dämmung angegeben. Das veranschaulicht, wie viel Wärmeenergie durch 1 m² eines Bauteiles bei einer Temperaturdifferenz von 1 Kelvin zwischen dem Innen und dem Außenraum “verloren“ geht.

Ein besserer Dämmstoff hat in diesem Fall allerdings einen kleinerer Wert: Je geringer der U-Wert eines Bauteils, desto besser die Dämmung.

So! Jetzt schauen wir uns noch kurz den Dampfdiffusionswiderstand an – den μ-Wert („mü-Wert“). Er beschreibt wie gut Luftfeuchtigkeit von innen nach außen diffundieren kann. Je kleiner er ist, desto schlechter geht das. Auch da kommt’s natürlich auf die Stärke des Bauteils an. Der μ-Wert sollte von innen nach außen abnehmen, dann kann die Luftfeuchtigkeit optimal raus und es gibt keine Gefahr von Feuchtigkeit und Schimmel im Wohnraum.

Schafwolle kann määäääh

Im Wohnwagen haben wir uns für Schafwolle als Dämmung entschieden. Nicht nur weil wir auf die wolligen Gefährten stehen, sondern auch weil die Eigenschaften überzeugend sind.

Die Schafswolle kann bis zu einem Drittel an Feuchtigkeit aufnehmen ohne wesentlich Dämmwirkung einzubüßen, das ist ein Hammer!!!
Schafswolle weißt eine sehr gute Wärmeeigenschaft auf (0,036 – 0,045 W/mK). Wasserdiffusionswiderstand liegt bei μ1, das heißt, um es einfach auszudrücken, dass Schafwolle den gleichen Widerstand wie die Raumluft hat. Zudem kann Schafwolle Schadstoffe wie Formaldehyd aus der Raumluft aufnehmen und neutralisieren, ist kurzfristig feuchtresistent und Wasserdampf durchlässig.

Je nach Größe und Anzahl des Schärens (bis zu 2-mal im Jahr) bekommt man von einem Schaf im Schnitt 2,5 bis 7 kg Wolle. Für die Tierschützer unter uns: Wir haben lang mit Schafbauern diskutiert ob es nun vertretbar ist, den Schafen ihre Wolle abzuknöpfen oder nicht. Die Antwort von Markus, einem Schafzüchter in Zürich: Natürlich ist es nicht die ursprünglichste Eigenschaft von Schafen, Wolle für Menschen bereit zu stellen. Solche Ur-Schafe gibt es in Europa aber kaum mehr. Über Jahrhunderte wurden Schafe auf diesen Zweck hin gezüchtet, sodass sie heute viel mehr Wolle produzieren als sie selbst brauchen können. Gleichzeitig haben sie aber auch kein körpereigenes System zur Kühlung. Dadurch wird ihnen im Sommer sehr heiß. Sie brauchen das Scheren also sogar, um mit der Hitze umgehen zu können! Nicht zu schären wäre Tierqualerei. Dabei kommt es natürlich trotzdem auf die Sorgfalt im Umgang mit dem Messer an und auf die Lebensumstände des Tiers. Darauf sollte man achten.

Schafwolle ist von Natur aus für Motten und Käferbefall anfällig, darum wird sie in unserem Fall wie oben beschrieben nach dem Schären mit Thorlan gewaschen – Achtung auf natürliche Behandlungsmethoden! Um sie gut verarbeiten zu können wird sie anschließend ohne Bindemittel vernadelt – man bekommt eine Matte, die man sehr flexibel und einfach verlegen kann. Meist reichen Schere oder Cutter dafür.

Recycling? Was passiert am Ende des Lebenszyklus?

Beim Rückbau oder Abriss eines Hauses geht’s drum, möglichst einfach wieder zu den einzelnen Baustoffen zu kommen. „Sortenreinheit“ ist das Ziel! So kann man die einzelnen Baustoffe wieder optimal weiterverarbeiten. Das geht zum Beispiel super beim geklemmten Einbau, wie etwa bei Schafwolle, Flachs oder Hanf. Die Dämmung kann hier meist ganz easy und zerstörungsfrei entfernt werden. Einblasdämmungen wie Zellulose kann durch Absaugen wieder aus der Wand bekommen. Auch bei Dübel- bzw. verschraubten Systemen und vorgehängten Fassaden ist der Rückbau einfach.

Schwierig wird’s bei geklebten oder mit Beton vermengten Dämmstoffen! Da bleibt manchmal nur mehr der Weg zur Deponie. Also bitte schon beim Bauen daran denken, was künftige Generationen dann mit dem verbauten Zeug anfangen können!

Schafwolle kann übrigens ohne weiteres wiederverwendet werden, man sollte lediglich darauf achten den Insektenschutz zu erneuern.

 

AutorIn

Das Wohnwagon-Team

berichtet über seine Erfahrungen und gibt dir Tipps & Tricks für Deinen Weg zur Autarkie.

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