Jetzt wird’s richtig wild – Wildfrüchte im Herbst

Die Tage werden kürzer. Man gspürt den Herbst schon richtig. Und der hat viel zu bieten! Herrliche Wildfrüchte zum Beispiel. Julia Binder von selfmadecraft erzählt euch hier von den bunten Wunderdingen, die jetzt in der Erkältungszeit genau die richtige Medizin und Vorbeugung direkt aus der Natur liefern: Wir müssen nur zugreifen!

 

Wildfrüchte

findest Du an Wegesrändern, Hecken oder Waldrändern. Sie laden mit leuchtenden Farben zum Kosten ein und sind unglaublich vielseitig. Los geht’s in eine wilde Welt!

Wenn ich im Herbst in den Hagebutten-Sträuchern hänge und die köstlichen Früchte ernte, werde ich von Spaziergänger oft misstrauisch beobachtet. Es wissen immer weniger Menschen, was man aus der Natur nutzen kann und wie viele Schätze man hier findet!

Direkt vom Strauch naschen – mehr Regionalität geht nicht!

Hagebutte, Schlehe und Weißdorn sind Wildfrüchte, die man oft antrifft. Am besten gleich ernten und einige roh vom Baum essen.

 

Hagebutten – Hier kommt die „Hetschepetsch“!

Hagebutten schmecken einfach köstlich, wenn man sie reif vom Baum pflückt und ganz frisch das Fruchtmus aussaugt.


Geballtes Vitamin C! 3 Hagebutten = 1 Zitrone

Die Hundsrose, die im Herbst die Hagebutten bildet, ist ein wichtiger Vitamin C-Lieferant.
3 Hagebutten haben durchschnittlich so viel Vitamin C wie eine Zitrone. Eine richtige Vitaminbombe vor unserer Haustüre!
Die Hagebutte bietet noch mehr. Mit ihren wertvollen Inhaltstoffen wie Fruchtsäure, Mineralstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Flavonoide und Vitamin C, A, B1, B2, K und P schafft sie einen guten Grundstock, um unsere Abwehrkräfte für den Herbst zu stärken.

Also: Möglichst oft genießen und Immunsystem stärken!

 

Ein dorniger Weg – der sich auszahlt!

Den Genuss von vielen Wildfrüchten muss man sich erst verdienen. Die Ernte ist oft nicht so einfach!
Die Hundsrose mit ihren Hagebutten gehört zu den Rosengewächsen und hat Dornen. Die bleiben leicht in der Kleidung hängen, stechen, sorgen für Kratzspuren. Das Pflücken ist also etwas aufwendig, dafür ist die Freude über die erzielte Ernte noch größer!

 

Weg mit den Härchen, trocknen und einlagern!

Endlich gepflückt? Jetzt geht’s aber erst los mit der Arbeit! Hagebutten haben in ihrem Inneren Kerne und feine Härchen, die vor dem Genuss entfernt werden müssen. Als Kinder haben wir diese Haare erfolgreich als Juckpulver eingesetzt, beim Essen sind sie lästig. Am besten schneidest Du die Hagebutten in der Hälfte auseinander und entfernst die Kerne samt Juckhaaren mit einem kleinen Löffel.

Dann kannst Du die Früchte im Backrohr bei sanften 40°C trocknen lassen. Lass dabei einen Holzlöffel in die Türe stecken, damit die feuchte Luft entweichen kann. Natürlich kannst Du die Hagebutten auch sanft im Dörrapparat trocknen, wenn Du sowas hast.

Hagebutten trocknen

Aus den getrockneten Hagebutten kannst Du einen herrlichen Tee machen. In der Erkältungszeit am besten täglich trinken – so stärkst Du deine Abwehrkräfte und trotzt Infektionen.


Köstlich: Hagebutten Mus!

Dafür gibst Du die Hagebutten mit ein wenig Wasser in einen Topf und köchelst sie ca. 20 Minuten. Die gekochten Hagebutten dann durch eine flotte Lotte passieren, damit die Härchen entfernt werden. Wer keine flotte Lotte hat, kann dies auch mit einem Sieb machen. Es ist etwas aufwendiger und zeitintensiver, funktioniert aber trotzdem.

Danach ist das feine Fruchtmus schon fertig!

Das Hagebutten Mus hält nur ein paar Tage im Kühlschrank – also am besten gleich frisch genießen! Du kannst ein bisschen Zitronensaft hinzufügen, dann hält es etwas länger. Oder Du machst Marmelade draus! Dann einfach mit Gelierzucker einkochen.

 

Weitere herbstliche Freunde – die Schlehe

Der Schlehdorn – auch Schlehe genannt – ist ein leicht widerspenstiger Genosse. Auch er hat Dornen, die die Ernte erschweren. Das Pflücken der dunklen Frucht zahlt sich aber trotzdem aus!

Durch seine Inhaltsstoffe wie zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Farbstoffe und Gylkoside wirkt die Schlehe entzündungshemmend, abführend und auch stoffwechselanregend.

Vor dem ersten Frost ist der Genuss der dunklen Frucht ein sehr herber. Wenn man die Schlehe kostet, zieht es den Mund richtig zusammen und man spürt den extrem herben Geschmack.
Wenn diese Wildfrüchte jedoch den ersten Frost abbekommen haben, entwickeln sie so viel Zucker, dass der Geschmack sich fanstatisch entwickelt.

Tipp: Man kann der Natur mit einem Trick auch ein wenig nachhelfen und die Früchte nach dem Ernten im Tiefkühlfach kurz einfrieren.

 

Weißdorn – mehr als herzig!

Der Weißdorn ist auch eine leckere Herbstfrucht. Die kleinen roten Früchte sehen ein bisschen aus wie Mini-Äpfel. Sie schmecken süßlich und ein wenig mehlig.

Der Weißdorn stärkt das Herz, er sorgt dafür, dass der Herzmuskel besser durchblutet wird. Der Weißdorn wirkt auch blutdrucksenkend und nervenstärkend.
Verwenden kannst Du Blüten, Blätter und Früchte. Jetzt im Herbst ist die beste Gelegenheit, zu ernten!

Herztropfen

Den Weißdorn kannst Du z.B. als Tinktur anwenden. Dafür übergießt Du die Früchte mit Alkohol – 40%-iger Korn oder Wodka – und lässt sie in einem geschlossenen Gefäß einige Wochen an einem hellen Platz stehen. Danach seihst Du die Früchte ab. 10-15 Topfen von der Tinktur täglich – regt den Kreislauf an, stärkt das Herz und wirkt harmonisierend.

 

Tutti Frutti!

Ich versuche die Herbstfrüchte auch gemeinsam zu nutzen. Hervorragende Kombi: Der Wildfrüchte-Essig.

Ich verwende einen guten Apfelessig und schmeiße einfach die geernteten Früchte gewaschen und frisch in den Essig.

Das ergibt einen herrlichen Essig, den man für die Küche verwenden kann. Er eignet sich aber genauso gut als Spülung für die Haare! Dafür muss man den Essig einfach mit doppelter Menge Wasser mischen und nach der Haarwäsche als Spülung auftragen und wieder auswaschen. Das Ergebnis sind glänzende schöne Haare.

Und wer jetzt schon die ersten Gedanken an Weihnachten aufwendet – so ein selbstgemachter Essig ist ein schönes Geschenk!

 

Likör aus Wildfrüchten – geballte Herbstkraft!

Warum denn nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Eine Möglichkeit, die geballte Kraft der Herbstes zu nutzen, ist ein Likör aus all diesen Wildfrüchten.

Ein selbstgemachter Likör ist einfach gemacht und kann nach dem eigenen Geschmack genau abgestimmt werden.

Die Früchte gibst Du dafür in eine Flasche mit großer Öffnung und füllst das Glas mit 40%igem Korn auf. Dieses Glas lässt man für einige Wochen – besser noch einige Monate – stehen und schüttelt es täglich. Nach der notwendigen Ziehzeit werden die Früchte abgeseiht und man kann mit Zucker noch die notwendige Süße in den Likör bringen.

Du kannst auch noch Gewürze hinzufügen wie zum Beispiel eine Vanilleschote oder eine Zimtschale, Zitronenschalen und vieles mehr.

Meine Liköre sind stets Unikate, denn ich arbeite nie mit Rezept sondern werfe die Früchte dazu, die gerade verfügbar sind und süße am Ende das Produkt nach Lust und Laune.

Das Ergebnis sind immer individuelle herrliche Liköre, die nicht nur gut schmecken, sondern auch noch die Heilkraft der Wildfrüchte in sich tragen.

Es erwarten uns bestimmt auch dieses Jahr noch einige traumhaft schöne Herbsttage.
Nutzt also die Zeit, genießt die Tage draußen und nehmt euch ein bisschen Natur mit nach Hause! Die bunten Wildfrüchte versüßen uns die dunkle Jahreszeit und stärken die Abwehrkräfte!

 

 

Wir haben’s gleich ausprobiert! Ein Kurzer Erfahrungsbericht von Theresa: 

 

Ich bin am Wochenende gleich mal losgezogen, um mir selbst ein paar von den kleinen Vitaminbomben zu besorgen! Mission: Hagebutten-Tee selbermachen! Das Ernten war fein, schönstes Herbstwetter, die ganzen Vögel in den Hecken, die leuchtenden Farben!
Gefunden hab ich weiche und harte Hagebutten, wahrscheinlich je nachdem wie reif sie sind und ob es schon gefroren hat. Als völliger Neuling im Bereich Wildbeeren-Erntung hab ich mich mal eher für die festen Früchte entschieden, die waren dann auch leichter auszuhöhlen, dafür kann man das Fruchtfleisch nicht rauszuzzeln.

 

 

Apropos „leichter aushöhlen“, für meinen Tee-Vorrat bin ich ungefähr eine Stunde für 2 Hände voll Hagebutten gestanden, um die lästigen Kerne und Härchen zu entfernen. Nachdem das erledigt war, hab ich hier ein paar Tipps gefunden, wie es auch ohne das Aushöhlen geht. Für meinen Tee wäre das aber ohnehin keine Option gewesen.
Jetzt hab ich die bunten Früchtchen auf einer Küchenrolle ausgelegt und so auf den Heizkörper gestellt, dass von überall Luft dazu kann (meine Mama hat dafür ein sehr praktisches Tupper-Gschirl zur Verfügung gestellt. Meine Mama hat ja für alles das passende Tupper-Gschirl. Das ist ein Glück). Und dann heißt es warten!

Du musst nicht warten, bis das Tee-Wasser rote Farbe angenommen hat – das wird nicht passieren.

Nach 3 Wochen Wartezeit: Meine Hagebutten sind gut getrocknet und es gibt den ersten Tee! Die Ziehzeit ist relativ lang (15 min). Du kannst den Tee auch in einem Topf mit den Blüten gemeinsam kochen, dann wird der Geschmack noch intensiver. Was mich gewundert hat: Der Tee wird nicht tiefrot wie man das vom kommerziellen Hagebuttentee gewohnt ist sondern bleibt ziemlich durchsichtig. Das ghört aber so: Die rote Farbe kommt von Hibiskusblüten (Eibisch) die dem Tee zugesetzt werden, also einfach durchsichtig genießen.

Foto 3
AutorIn

Das Wohnwagon-Team

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