Energieautark durch die Weltmeere – heiß die Segel!

Energieautark durch die Weltmeere …

 

… „Heiß die Segel!“, heißt es für den vier Jahre alten Keanu, der mit seinen Eltern seit 2014 (fast) energieautark durch die Welt reist. Gäste und Mitreisende sind dabei stets willkommen. Ein spannendes Projekt, finden wir. Taucht nun ein in die Welt der selbstversorgenden Segler und lest selbst von ihren Abenteuern.

„Das ist mein Zuhause!“, begrüßt uns der kleine Blondschopf Keanu an Bord der Pakia tea. Seit 2014 reist die Kleinfamilie mit ihrem Segelkatamaran durch die Welt – und wer will, kommt einfach mit.

 

Die Pakia tea von oben und Keanu auf einer einsamen Insel – supersauber, nachdem sie vom angeschwemmten Plastikmüll befreit wurde. © Tom Puchner/Planet Ocean

 

Die Pakia tea ist das erste (fast) komplett energieautarke Tauchschiff der Welt: 15 m² Solarpaneele a

uf dem Dach, eine Meerwasser-Entsalzungsanlage, Abwassertanks und, natürlich, Windantrieb. Bei Flaute oder für Anker- und Hafenmanöver kommen zwei beinahe geräuschlose Elektromotoren zum Einsatz. Sogar gekocht und gebacken wird mit Solarstrom. Auf diesem Boot haben die Drei bereits die halbe Welt umsegelt: Seit dem Start in Südostasien führte sie die Reise von Malaysia über Thailand und die Malediven nach Madagaskar und Südafrika, danach quer über den Atlantik mit einem Zwischenstopp auf der Vulkaninsel Ascension bis nach Panama.

Warum? Weil’s geht. Und weil die beiden studierten MeeresbiologInnen Tom und Sonja so auf den Schutz der Meere aufmerksam machen wollen. Doch mehr dazu später…

 

Oh wie schön ist Panama!

Auf der atlantischen Seite Panamas liegt vor dem Festland das autonome Gebiet der Kuna-Indianer, genannt „Kuna Yala“. Die mehr als 300 Inseln eignen sich hervorragend zum Schnorcheln und Entspannen. Deshalb haben sich Bekannte und FreundInnen angemeldet, um hier in der Karibik ein bisschen die Seele baumeln zu lassen.

 

Türkisblaue Fluten und weiße Sandstrände: Oh wie schön ist Panama!
Keanu, Tom und Sonja (in der ersten Reihe) mit ihren Gästen im Mai 2016.

© Bettina Pflugfelder-Plank / Tom Puchner

 

„Morgensport erledigt!“, ruft Skipper Tom, nachdem er manuell die drei Segel des Zweimasters gesetzt hat. Dank eines ausgeklügelten Systems von Blöcken und Umlenkrollen können Fock, Schoner- und Großsegel vom Steuer-Cockpit aus getrimmt werden. Wir nehmen Kurs auf ein weiteres der zig bildhübschen Korallenriffe, gekrönt von einer meist einsamen Insel mit Kokospalmen und weißem Sandstrand. Unter der türkisblauen Wasseroberfläche warten bereits Barrakuda, Adlerrochen, Igelfisch und Co auf Besuch. Wir ankern auf einem hellen Sandfleck, doch während die Gäste Flossen, Taucherbrille und Schnorchel anlegen, hat Tom bereits den nächsten Task: Der Wassermacher gibt seltsame Geräusche von sich. Bis zu 100 Liter feinstes, mit Mineralien angereichertes Trinkwasser pro Stunde liefert die Umkehrosmose-Anlage. Tom baut Hochdruckpumpe und Filter aus, zerlegt alle Einzelteile am Esstisch, studiert die Betriebsanleitung, silikoniert O-Ringe, reinigt Filter, setzt alles wieder zusammen: „Wir haben beim Umbau der Pakia tea darauf geachtet, möglichst robuste Komponenten zu verwenden, die sich auch reparieren lassen.” Im September geht es durch den Panama-Kanal und danach für die nächsten Jahre durch den Pazifik – für diese Zeit wird sicherheitshalber noch ein Selbstreparaturset mit Ersatzteilen für die Pumpe bestellt. Denn Autarkie heißt auch, vorausschauend zu agieren und für alle Fälle gerüstet zu sein; besonders mitten im Ozean.

 

Mangos, Papayas und Ananas

Autarkie fängt auf der Pakia tea bei Energie und Wasser an, und hört selbst in der Schiffskombüse noch lange nicht auf: Von selbstgebackenem Brot und Zimtschnecken bis zur Sonntags-Pizza ist alles selbst und frisch gekocht. Sonja kümmert sich um die Verköstigung von Crew und Gästen; Lagerlogistik und Bestandskalkulation sind eine Herausforderung für sich.

 

Sonja schupft die Mikro-Kombüse und hält Ausschau nach einem geeigneten Ankerplatz, bei dem weder Korallen noch Seegraswiesen in Mitleidenschaft gezogen werden.
© Hanna Spegel

 

Wann bekommt man das nächste Mal Zucker, Fett oder Mehl? Welche Grundnahrungsmittel braucht man für drei Personen während einer mehrwöchigen Atlantik-Überquerung? Wo gibt es frische Zutaten? „Die besten Strankalan meines Lebens habe ich auf Rodrigues gegessen“, schwärmt die gebürtige Kärntnerin über die Fisolen auf einer Insel nahe Mauritius. Doch was in unseren Supermärkten oder Foodcoops jederzeit selbstverständlich verfügbar ist, muss auf hoher See immer gut im Voraus bedacht werden. Dafür ist jedes Produkt am Tisch bis hierher mitgereist und hat eine eigene Geschichte: Der Zucker aus Mauritius, das Bier aus Südafrika oder der Rum aus – Panama. Exotische Luxusgüter sind hier regionale Lebensmittel und kommen flugs ins Guten-Morgen-Müsli oder den Ananas-Walnuss-Kuchen. Bei Vorräten wie Mehl, Nudeln, Hülsenfrüchte & Co ist besonders auf die Lagerung zu achten, denn mit der tropischen Feuchtigkeit ist auch immer der Schimmel nicht weit – oder Käfer und andere Insekten versuchen mitzunaschen. Daher wird alles stets verschlossen und im Zweifelsfall auch nochmals eigens vakuumisiert.

Manche Dinge sind trotz Weltreise, Globalisierung und schlauer Logistik stets Mangelware, daher bittet uns Sonja per Email, bevor wir in den Flieger nach Panama City steigen: „Falls ihr im Gepäck noch Platz habt wäre es super, wenn ihr uns 1-2 Kilo Bio-Vollkorn-Dinkelmehl mitbringen könntet…“ Gesagt, getan – damit bäckt sie dann Brot und Gebäck, morgens steht selbstgemachtes Joghurt am Frühstücktisch, mittags Salate und Jausenaufstriche, abends eine warme vegetarische Mahlzeit oder auch mal etwas Fisch, als Snack zum Kartenspielen gibt’s geröstete Kokosnuss. Kurz: Das gute Leben!

Mehr Meer erleben

Wie kommt nun eine Kleinfamilie auf die Idee, ihr Leben auf hoher See zu verbringen? „Planet Ocean ist die Erfüllung unseres Traumes, auf dem und für das Meer zu leben und zu arbeiten“, schreiben Tom und Sonja auf ihrer Website www.planet-ocean.at. Dort bloggen sie über ihre Reisen, posten Fotos und Videos für Facebook und YouTube, weisen auf aktuelle Publikationen hin und laden ein, sich mit dem Ökosystem der Meere auseinanderzusetzen. Und das alles nicht erst seit gestern: Die beiden MeeresbiologInnen waren nach ihrer Studienzeit in der  österreichischen Meeresschule in Pula tätig. Im Jahr 2005 gründeten sie ihre eigene „Biostation“ in Mali Lošinj und arbeiteten mit tausenden Schülern und Jugendlichen, um Zusammenhänge deutlich zu machen und Begeisterung für das Meer zu wecken.

Bald schon stellte sich die unvermeidliche Frage – wie kann man möglichst viele spannende Gegenden über und unter Wasser besuchen, die Ozeane unseres Planeten kennen lernen, ohne massenweise klimaschädliche Flugkilometer zu sammeln? Das geht nur mit dem eigenen Boot. Der Traum wurde schnell zum Plan und die Suche nach dem perfekten schwimmenden Zuhause startete.

Das Herzstück des Projekts Planet Ocean ist daher heute – die Pakia tea. Ziel ist es, mit meeresbiologischen Segeltörns Aufmerksamkeit auf die Notlage der Meere zu richten, Wissen zu vermitteln und Citizen Science zu ermöglichen. In Theorie und Praxis: Bei unserem Besuch werden mit den bootseigenen Binokularen kleine Meeresorganismen mikroskopiert, wir hören über die Gefahren für Korallenstrukturen und Artenvielfalt, diskutieren über die Folgen von El Niño und erfahren, dass der aus dem Pazifik importierte Rotfeuerfisch, dem wir hier häufig begegnen, die hiesigen Fischbestände bedroht. Tom ist bei jeder Gelegenheit mit GoPro und Unterwasserkamera unterwegs, um die Flora und Fauna festzuhalten: Korallen, Kofferfische oder auch mal ein Krokodil.

Schau dir an, was Tom so alles Unterwasser erlebt hat >> Video

Auch Keanu ist mit am Start und quietscht vergnügt in seinen Schnorchel, wenn die kleinen „Christmas Tree Worms“ bei einer Berührung zurückschrecken oder ein Schwarm Barrakudas vorüberzieht.

PlanetOcean_04_Unterwasser

Keanu erforscht die Mangroven, und wenn er groß ist, geht’s ans Tauchen!
© Tom Puchner/Planet Ocean

 

Bis bald im Pazifik

Doch gibt es auch Dinge, die man bei einem solchen Traumleben manchmal vermisst?

„Einfach mal Loslaufen“, verrät uns Tom mit einem Augenzwinkern. Denn trotz aller körperlichen Aktivitäten beim Setzen der Segel und im Wasser ist der Auslauf auf einem Boot doch begrenzt. Sonja hingegen freut sich beim Heimatbesuch im Sommer bereits auf Kärntner Kasnudeln. Und Keanu? „Erdbeereis!“

Während die drei diesen Sommer das erste Mal seit zwei Jahren in Österreich Eis schlecken, wartet die Pakia tea brav in einer Marina in Panama. Danach stehen noch einige Wartungsarbeiten an, damit das Boot fit ist für die nächsten Jahre im Pazifik. Die Route und Orte zum Mit-Reisen sind jederzeit online ersichtlich:

 

Die Route der Pakia tea der kommenden zwei Jahre – von Panama (8) und Las Perlas (9) über Galapagos und die Osterinseln (10) bis Hawai (13) und Kalifornien (15).
Komm und segel mit!
© Planet Ocean

 

Denn: „Wer mit dem Flugzeug reist, bekommt die Entfernungen gar nicht so mit. Doch beim Segeln ist man ungefähr so schnell, wie wenn man Laufen würde. So merkt man, wie klein die Welt eigentlich ist,“ sagt Tom. Und der muss es ja wissen.

***

Spannend, nicht? Auf Radio Rhabarber plaudern Tom & Sonne über ihr Leben, ihre Reisen, warum uns der Rotfeuerfisch herzlich unsympathisch ist und wieso sie sich mit ihrem Leben und dem Projekt „Planet Ocean“ dem Schutz der Meere verschrieben haben. Dazu gibt’s eine musikalische Reise durch die Ozeane.

Lass‘ Dich doch in die Welt der Segler entführen > Heiß die Segel! Energieautark durch die Weltmeere mit Radio Rhabarber

***

Reisebericht & Portrait: Hanna Spegel / www.hannaspegel.com

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Theresa Steininger

von Wohnwagon – berichtet über ihre Erfahrungen ein und plaudert aus dem Nähkästchen drauf los. So ist es.