Eine Frage der Generation

 

Der folgende Beitrag stammt von Sabine Schellender – Bloggerin bei wir-leben-nachhaltig.at – nach dem Motto „24 Stunden nachhaltig durch den Tag“ bietet die Website viele unkomplizierte Anregungen, um den eigenen Lebensstil nachhaltiger zu gestalten! Alltagsgeschichten, Erfahrungsberichte und kreative Ideen zum Ausprobieren finden sich im Blog. Die eigenen Erfahrungen kann man dort im Mitgiederbereich mit der Nachhaltig-Leben-Community teilen.

 

Eine Frage der Generation

 

Ich möchte heute etwas „Privater“ werden und die Frauen in unserer Familie und ihr Einkaufsverhalten näher beleuchten. (Achtung: der Inhalt könnte Passagen von Sarkasmus enthalten.)

Unter den „Schellander-Frauen“ versteht man aktuell drei blonde Damen in drei verschiedenen Altersklassen und nachdem wir Frauen sind, werde ich hier nur die Altersgruppen – unter die wir fallen – angeben und nicht das genaue Alter.
Da haben wir zuerst einmal die „Oma-Schellander“, die sich in der Altersklasse Ü(ber) 60 bewegt, dann „Mama-Schellander“ U(nter)40, das wär dann ich und „Mini-Schellander“ U(nter) 10, meine Tochter.

 

 

Wenn es ums Shoppen geht sind wir uns eigentlich alle drei einig: Wir tun es grundsätzlich sehr gerne und hin und wieder auch sehr ausgiebig. Geht es aber dann im Detail darum WAS wir kaufen und WO, sind wir uns schon gar nicht mehr so einig.

Dabei muss ich als Erstes festhalten, dass es leichter ist, meine unter 10 Jahre alte Tochter zu einem gewissen Bewusstsein und einem nachhaltigen Einkaufsverhalten zu erziehen, als meine über 60-jährige Mutter davon zu überzeugen, ihre Gewohnheiten über Board zu werfen. Um ehrlich zu sein habe ich es bei meiner Mutter aka Oma-Schellander schon aufgegeben über Bio, regional, saisonal, Fertiggerichte, Großpackungen, Textilriesen und Co zu diskutieren. Es ist irgendwie hoffnungslos. Ich scheitere hier ja schon an einfachen Dingen, so wie damals als ich meine vegetarische Phase hatte und mich meine Mutter jeden zweiten Tage fragte: „Aber Huhn isst du schon, gell, das ist ja kein Fleisch!“ „Nein, Mama, Huhn esse ich nicht…… Grummel.“

Auch Diskussionen über das Kaufen von 50%-Ware im Großhandel für einen 2 Personen Haushalt sind sinnlos. Erstens ist das alles doch „sooooooo billig, weil ja eben 50% und zweitens weiß man ja nie, wie viele Leute morgen oder übermorgen spontan zum Essen vorbeikommen?!“ und „Wer weiß eigentlich ob da Bio drinnen ist, wo Bio drauf steht?! Das ist doch alles nur ein Schmäh.“ O-Ton meine Mutter.

Zwischendurch wenn ich mich dann wieder mal geschlagen gebe und bei meinen Eltern auf Besuch die „leichte Haltbarmilch“ trinke, die in ihrem Leben noch nicht einmal eine Kuh von der Ferne gesehen hat, dafür aber mindestens 3 Jahre haltbar ist, frage ich mich woran es liegt, dass meine Tochter schon akzeptiert hat, dass wir im November oder März keine frischen Erdbeeren kaufen und auch beim Fleisch lieber zum Bauern fahren, als es im Supermarkt zu kaufen, meine Mutter hier aber völlig beratungsresistent ist.

Liegt es an der Nachkriegsgeneration, die den Versorgungsengpass noch am eigenen Leibe gespürt hat und jetzt dazu neigt Großpackungen zu horten, für den Fall der Fälle? Oder daran, dass Bio und Co eigentlich erst in den letzten Jahren aufgekommen sind und das Konsumverhalten der Generation meiner Eltern aber schon vorher geprägt wurde?

Liegt es etwa am Sparmodus, damit sie mir und meiner Tochter einmal etwas hinterlassen können? Oder liegt es am fehlenden Vertrauen zu gewissen Labels und Begriffen wie eben Bio und Co und der fehlenden Aufklärung in diesem Bereich für Leute Ü60? Ich weiß es nicht? Ich denke es hat mehrere Gründe.

Auch das mit der Mülltrennung ist so eine Sache, an der wir regelmäßig scheitern. Bei meiner Mutter ist das recht einfach: alles kommt zusammen und alles in eine Tonne. Klar das ist simpel und einfach zu handhaben. In Zeiten wie diesen, aber nicht mehr zwingend nötig. In Unserer Wohnung wird brav getrennt. Zumindest Bio, Glas, Metall und Papier, was meine Mutter dann wiederrum völlig zur Verzweiflung bringt, wenn sie auf Besuch ist und sie mit jedem Müllstück herumrennt und fragt, wo denn das jetzt genau hingehört und ob das notwendig sei, die ganze Küche mit verschiedenen Müllsäcken der einzelnen Fraktionen zuzumüllen?! „Hm, ja Oma, bei uns ist das eben so“, sagt Mini-Schellander dann immer.

Und wenn wir dann noch einen Schritt weiter gehen und anfangen über diverse Textilanbieter und deren Produktionsweisen sowie die Qualität der einzelnen Teile zu diskutieren, wird das ganze noch verzwickter und intensiver, wenn es doch jetzt T-Shirts gibt die weniger als 10 Euro kosten. Wobei ich hier fairer Weise festhalten muss, Qualität ist auch ein Kriterium, dass meine Mutter davon überzeugt, zu überlegen, WO man kauft und auf was man dabei achtet.

Und um ganz ehrlich zu sein: seit Neuestem gibt es auch Bio-Eier direkt vom Bauernhof bei uns zu Hause. „Die bringt immer die Nachbarin mit und da kleben sogar noch die Federn drauf!“ erzählt sie mir dann immer ganz stolz, während sie mir bei jedem Besuch vor lauter Freude 20 Eier einpackt. („Ja Mama, danke, ähm, das reicht dann locker für das nächste Monat bei dem Eierverbrauch den wir als 1,5 Personen Haushalt haben.“)

Und im Sommer 2015 hat sogar ein kleines Hochbeet Einzug gefunden im Schellander-Garten und ab sofort kommen die eigenen Kräuter auf den Tisch und in den Saft.

Es ist also nicht alles umsonst, was ich sage und wenn das Fräulein Mini-Schellander der Oma-Schellander auch noch erklärt, dass das Bio-Fleisch viel besser ist und sie ihr im Supermarkt zeigt, wo man die Bio-Tomaten findet, dann ändert auch die Oma langsam aber doch ihr Einkaufsverhalten und ich bin stolz auf meine Mama und mein Mini-Me.

 

 


 
 

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Das Wohnwagon-Team

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