Ein Leben für eine plastikfreie Zukunft

 

Ein Leben ohne Plastik – Scheiß. Schön aber unmöglich? Wir haben Thomas, den Betreiber der Seite plastikfrei.at. um ein Interview gebeten: Wie lebt es sich „fast – plastikfrei“ ? Und wie fängt man am besten damit an?

 

Warum hast Du plastikfrei.at gegründet?

Der Film Plastic Planet war für mich ein Startpunkt. Aber mich hat auch die Thematik des Müllstrudels interessiert. Wir sind von so viel Plastikmaterial umgeben! Das meiste davon wird zu Müll und direkt verbrannt. Und Plastik ist in so vielen sehr persönlichen Bereichen vorherrschend! Inzwischen überprüfen wir die Inhaltsstoffe in unserem Essen schon ganz genau, aber welche Stoffe in den Plastikfolien drinnen sind, die wir zwischen die Wurstscheiben legen, weiß kein Mensch.

 

Lebst Du selbst ganz plastikfrei?

Nicht zu 100%. Ich kenne zum Beispiel keinen Laptop ohne Plastik. Aber es sind ja oft die kleinen Dinge! Wasser in Plastikflaschen zu kaufen, das erschließt sich mir einfach nicht. In Österreich haben wir eine Trinkwasserqualität, die einen umhaut – da kauf ich mir keine Plastikflasche! Früher gab es nur Glasflaschen, der Umstieg hat mit dem Handel zu tun. Ich frag mich wie viel wir noch dem Mammon opfern wollen.

Leiwandes Glas rund ums Wasser.

 

Wasser oder Plastikfolie?

 

Wie bist Du Deine Plastiksachen losgeworden? Flohmarkt, verschenkt, verkauft?

Ich habe die Plastiksachen die wir im Haus hatten sinnvoll verschenkt oder nutze sie nach wie vor. Alles wegwerfen ist ja auch keine Lösung.

 

Bedeutet Plasikfreiheit auch automatisch weniger Müll?

Auf alle Fälle! Vor allem beim Thema Einkaufen: Wir gehen viel mit Einkaufskorb oder Rucksack auf Bauernmärkten einkaufen. Da fallen die Plastiksackerl weg. In Geschäften werden ja mittlerweile die verrücktesten Dinge in Plastik verpackt! Salat, geschnittene Bananen… Ich mach mir oft den Spaß und öffne die Verpackung, um sie bei der Kassa zurückzugeben. Ich kann die Sachen ja leicht im Rucksack transportieren. Inzwischen kennen sie mich auch schon.

 

Ich erkläre dann auch, dass ich das nicht haben wollte, dass ich dafür also nicht zahlen werde und das schon gar nicht entsorgen will. Es gibt auch EU – Regeln, die den Handel dazu verpflichten Verpackungsmaterial entweder zurückzunehmen oder entsprechende Müllsammelstellen bei dem Betrieb aufzustellen.
Vielleicht denkt sich ja der eine oder andere: „Eigentlich gar keine so schlechte Idee“ und macht das dann auch mal. Man schafft jedenfalls ein Bewusstsein!

Oft hab ich auch Behältnisse dabei und geh dann zur Wurstbudel. Ich sag dann „bitte ohne Plastikfolie zwischen den Scheiben und bitte auch nicht einpacken“ und halte ihnen den Behälter hin. Ich krieg dann oft einen komischen Blick, aber sie machen’s dann schon. Und den Kassazettel lass ich mir dann immer auf den Finger picken, weil sie nie wissen wohin damit (lacht).

Das ist für mich das Wichtige: Du kannst die Menschen damit konfrontieren und ihnen vermitteln wie vertrottelt die Plastikfolie zwischen den Wurstscheiben ist, ohne irgendjemand zu kränken. Man macht es einfach anders und spielt nicht mit!
Und auch auf die betroffenen Menschen hat es Auswirkungen! Verwirrung, ein Lachen. Dann fangen sie an darüber nachzudenken. Das funktioniert aus meiner Erfahrung am besten!

 

Was sind Deiner Meinung nach die ersten Dinge aus Plastik, die man sofort ersetzen sollte und wieso?

Plastiksackerl, sämtliches unnötiges Verpackungsmaterial, vor allem beim Gemüse und Obst. Wasserflaschen aus Plastik, Zahnbürsten… Man muss sich umschauen und Dinge hinterfragen! Wieso sollt ich meine Zahnbürste nach 2 Monaten wechseln, wenn die Borsten noch in Ordnung sind? Es geht natürlich einher mit der Frage: „Was brauche ich und was nicht?“ Du kaufst nicht nur das Produkt, sondern auch das Verpackungsmaterial!

 

Wiederverwendbare Verpackungen aus Bienenwachstuch

 

Plastik ist überall – Stichwort Mikroplastik. Können wir überhaupt ausweichen? Sollte man Plastik von der Erde verbannen?

Ich glaube wir können gar nicht ausweichen. In allen unseren Körpern schwimmt Plastik, das war ja auch die Quintessenz von Plastik Planet. Die Lösung ist nicht Plastik zu verdammen, sondern sich zurück zu besinnen, auf andere Art und Weise zu leben und miteinander zu interagieren. Einfach wieder regionaler einkaufen oder direkt vom Bauern, Alternativen suchen und mit den Leuten reden!

 


Mikroplastik in der Zahnpasta

 

Recycelbar ist es ja nicht wirklich.

Teilweise gibt’s Recycling. Meist aber nur Downcycling. Bei vielen Plastikstoffen ist nicht mal klar, was drinnen ist. Plastik an sich ist ja ein harter Werkstoff und spröde. Die weichen Wasserflaschen, die Du kaufst, sind mit Zusatzstoffen weich gemacht worden, z.B. mit Bisphenol-A, aber viele kennt man gar nicht. Die haben genau dann Einfluss, wenn Du das Plastik thermisch einschmilzt. Dann brechen die Kohlenstoffketten und die Weichmacher lösen sich heraus und lösen teilweise chemische Reaktionen aus. Du kannst also aus Plastikflaschen vielleicht noch Blumentöpfe machen und daraus vielleicht noch Planen für den Garten, aber das war’s dann auch schon.

 

Stößt Du auf viel Skepsis mit deinem Konzept?

Es kommt natürlich immer die Antwort: „Das ist ja gar nicht möglich!“ Und das stimmt auch, ich kann gar nicht plastikfrei leben, aber ich versuche meinen Verbrauch so weit wie möglich zu reduzieren. Wenn Du versuchst in einem Geschäft plastikfrei einzukaufen, brauchst Du 3 x so lange wie sonst und kommst mit der Hälfte der Dinge heraus, die Du kaufen wolltest.

Was aber immer geht, ist einen ersten Schritt zu setzen! Mit einem Bereich anfangen und das nicht mehr tun. Wenn das in Fleisch und Blut übergeht, kannst Du es auch genießen und bist bereit für den nächsten Schritt.

Jane Goodall hat mal was gesagt, das mir sehr gut gefällt: „Mit jedem Euro den wir ausgeben, schaffen wir ein Stück Realität. Und es liegt an uns, welche Realität wir schaffen.“ Ich kann nur Billiges kaufen oder ich zahle etwas mehr und unterstütze und schaffe damit nachhaltiges Wirtschaften.

 

Auf plastikfrei.at gibt’s echt viele Produkte – stammen die alle von Dir?

Die meisten Produktvorschläge kommen von den Usern! Das war von Anfang an bewusst so angelegt. Ich stelle die Plattform zur Verfügung, sodass die User ihre persönlichen Tipps & Tricks und Einkaufsideen einbringen können. Plastikfrei.at hat nicht den Anspruch für alles eine Lösung zu bieten, sondern eine Inspiration zu sein! Wir wollen in immer wieder neuen Bereichen Lösungen finden.

 

 

Möchtest Du noch was loswerden?

Ich habe vor kurzem einen Spruch gelesen, der geht sinngemäß so: „Wenn ein Mensch nicht daran glaubt, dass er im Stande ist etwas zu tun, dann ist er es auch nicht. Er muss zuerst dran glauben. Wenn er aber daran glaubt, wird es ihm auch gelingen.“

Ähnlich ist es mit plastik-fast-frei leben. Du kannst immer weniger Plastik verbrauchen. Wenn jeder von uns sich daran halten würde, würden wir über kurz oder lang in einer Gesellschaft leben, in der Plastik einen Ausnahme ist. Wir müssen es einfach nur tun, wir müssen einfach nur ANFANGEN es zu tun. Schritt für Schritt kannst Du in diese Richtung gehen.

 

Wenn Du anfangen möchtest plastikfreier zu leben, dann schau doch mal auf plastikfrei.at vorbei oder lies unseren Blogbeitrag für einen leichteren Einstieg!

Wir haben auch ziemlich coole plastikfreie Dinge, z.B. unsere Brotdosen, schau mal hier!

 

 

Weitere Infos zu Mikroplastik: http://www.bund.net/themen_und_projekte/meeresschutz/muellkampagne/mikroplastik/

 

AutorIn

Das Wohnwagon-Team

berichtet über seine Erfahrungen und gibt dir Tipps & Tricks für Deinen Weg zur Autarkie

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