Ich bau mir einen Permakultur Garten – die Basics

 

Permakultur, noch nie gehört? Dann unbedingt weiterlesen!

 

Ein nachhaltiger Naturkreislauf im eigenen Garten! Mit dem Ziel immer irgendwo was ernten zu können, dank ineinander übergreifender Gartenzonen.

„Permakultur (permanent agriculture = dauerhafte Landwirtschaft) ist das bewusste Gestalten und Erhalten landwirtschaftlich produktiver Ökosysteme, die die Vielfalt, die Dauerhaftigkeit und Selbstregulierungsfähigkeit natürlicher Ökosysteme aufweisen.“ – P.I.A.

Die beiden Gründerväter Bill Mollison und David Holmgren wollten Mitte der 1970er mit ihrer Idee eine Alternative zu den vorherrschenden industriellen Agrarsystemen bieten. Statt Monokulturen in Reih und Glied, gilt nun Biodiversität und alte Sorten neu entdecken!
Hannelore Zech, Permakultur-Gestalterin und Bloggerin bei permagarten.wordpress.com, hat für uns zusammengetragen, worauf es beim Gestalten eines Permakulturgartens ankommt.

 

Wie und womit fang ich an?

Mit Permakultur kannst Du Dir einen zukunftsfähigen Lebensraum erschaffen. Nur, wo fängt man an, mit dem Garten anlegen? Die Frage stellen sich wahrscheinlich viele.

 

Eines der wichtigsten Permakultur-Prinzipen: Beobachte und handle

Also was beobachten wir? Das Wetter. Um ein ideales Mikroklima zu schaffen, brauchen wir zuerst einen Windschutz. Besonders dort, wo die kalten Winde hereinwehen. Meistens ist das die Ost-Seite des Grundstücks. Kann aber variieren! Als Windschutz eignet sich am besten eine Hecke – nur bitte keine Thujen! Eine Wildobsthecke sollte her! Wildobst schmeckt gut, tut gut und bringt einen erhöhten ökologischen Nutzen weil sie Vögeln, Igel, Mardertieren (Wiesel, Mauswiesel, Iltis usw.), Eidechsen und weiteren Kleintieren Unterschlupf bietet.

 

Mach Deinen Garten zur Sonnenfalle!

Windgeschützt muss der Garten sein. Hohe Bäume kommen an die Nordseite, niedrige seitlich und nach Süden hin bleibt alles offen, bzw. kommen da die niedrigeren Beerensträucher und die Gemüsebeete hin.
Achte auf ein Licht-Schatten-Verhältnis – so wie im natürlichen Wald – damit im Sommer nicht alles zu schnell austrocknet. In unserer gemäßigten Klimazone ist es wichtig, das Licht für sich arbeiten zu lassen.
Sind Bäume und Sträucher höher gewachsen, wächst auch zeitgleich Jahr für Jahr das optimale Kleinklima.
Konkret heißt das: im Sommer haben wir eine angenehme Kühle durch die Verdunstung der Blätter, im Winter Windschutz vor eisiger Kälte. Steht vor Deinem Wohnwagon also ein großkroniger Laubbaum – am Besten ein Obstbaum – hast Du im Sommer den gewünschten Schatten und im Winter die gewünschte Sonne.

 

 

 

In einem optimalen Kleinklima überleben auch Pflanzen, die normalerweise bei uns nicht winterhart wären.
So kannst Du draußen auch Pflanzen kultivieren wie: Wollmispel, Indianerbanane, Rosmarin, Dreiblatt-Zitrone, Feige, usw.

 

Umgesetzt! Permakultur-Elemente

Wir beginnen mit der Planung eines optimalen Mikroklimas für unseren zukunftsfähigen Lebensraum. Dann planen wir die Wasserversorgung unserer Intensivzone, den Bereich der Gemüsebeete und Topfkulturen, eventuell des Gewächshauses rund ums Haus.
Dann kann mit der Einplanung von Permakultur-Elementen begonnen werden: verschiedene Beetformen, Kräuterspirale, Sommerküche, Wurmfarm, Insektenhotel- bzw. Nützlingsbiotope, usw.
Permakultur-Elemente sollten stets einen Mehrfachnutzen mit sich bringen.

Auch ein wichtiges Prinzip ist, soviel wie möglich selbst zu machen! Machst Du mit, wächst Du langsam mit deinem Gartensystem mit. So ein fertiges Permakultursystem im Garten überfordert vermutlich nur. Investiere lieber in eine eigene Ausbildung (Permakultur-Kurse), in eine gute Beratung, aber setz so viel wie möglich selbst um! Nur so kannst Du mit Deinem Garten wachsen und lernst ihn zu verstehen.

Mach Dich mit den Pflanzen vertraut. Hör zu. Erleb die Erweiterung der Vielfalt, sowohl bei Pflanzen, als auch bei den Tieren. Diese schätzen nämlich auch das entstandene Mikroklima und helfen Dir ein ökologisches Gleichgewicht von Schad- und Nutztieren zu erreichen. So haben alle einen Nutzen davon. Und jeder profitiert.

 

Nach der Grobplanung, lege die Zonen fest.

Zuerst planst du also im Großen und dann die Details. Das spielt auch bei der Zonierung des Grundstückes eine wesentliche Rolle! Die Zonierung teilt den Garten in Arbeitsintensität ein.


Die Zone 0 betrifft z.B: Deinen Wohnwagon. Es ist der Haupt-Aufenthaltsort.

Die Zone 1 schließt sich genau daran an. Es ist der direkte Bereich um Dein Heim, der Bereich, der auch mit Wasser versorgt werden kann. Dementsprechend stehen dort, z.B. auf der Terrasse die Topfkulturen mit den wichtigsten Küchenkräutern, um sie schnell griffbereit zu haben.

 


Mischkulturen

 

Die Hauswand als Freund haben die empfindlicheren Pflanzen, die in Töpfen den Vorteil des optimalen Mikroklimas nutzen. Da wachsen dann z.B.: Paradeiser, Paprika, Chilis, Melanzani, die ersten Salate im Frühling und die letzten im Herbst. Im Anschluss an die Terrasse befinden sich die Gemüsebeete und das Gewächshaus. Die brauchen viel Aufmerksamkeit, deshalb stehen sie in der Nähe des Hauses.

 


Hochbeete in Zone 1

 

Die Zone 2 beherbergt Spalierbäume, Buschbäume, Halbstammbäume und Beerenobst. Diese müssen nur bei Pflanzung mit Wasser versorgt werden und sind danach hauptsächlich zur Erntezeit zu besuchen. Hühner sind in diesem intensiven Früchte-Beeren-System sehr gut aufgehoben. Sie halten das Obst frei von Schädlingen und sind ihrerseits sehr gut vor Raubvögeln geschützt. Bienenkästen sind in Zone 2 zur Blütenbestäubung bzw. Befruchtung auch recht praktisch.

Die Zone 3 wird nochmals pflegeleichter. In ihr sind die extensiv bewirtschafteten Beete untergebracht. Diese Beete werden bepflanzt und erst zur Ernte wieder besucht. Kürbis, Kartoffeln, Zuckermais, Haferwurz und Schwarzwurzel, Topinambur, Hirse, Wildtomaten, Wildkohl, Meerkohl, ausdauernder Kohl, Grünkohl, Lauch und Rüben verschiedenster Arten passen ausgezeichnet.
Diese Extensivbeete werden stets gemulcht, sprich mit Laub, Grobkompost, altem Heu und Grasschnitt abgedeckt, damit das Bodenleben gut arbeiten kann, Futter hat und zum Lohne dafür die Erde locker hält. Dadurch ist kein Hacken notwendig und der Boden bleibt schön feucht, da die Oberflächenverdunstung wesentlich verringert wird.

 

 

Die Zone 4 ist der Streuobstbereich. Eine wilde Blumenwiese mit Hochstammobstbäumen. Das Gras kannst Du als Viehfutter oder zum Mulchen der Extensivbeete und der Beerensträucher verwenden. Das Obst der Streuobstwiesen kann dann zu Saft, Likör und Schnaps, Wein bzw. Most und entsprechend auch zu Essig verarbeitet werden.
Zusätzlich hat die Streuobstwiese einen sehr hohen ökologischen Wert: Er ist Lebensraum sehr vieler Vögel und Insekten. Die Zone 4 hätte aber auch Platz für Fischteiche, Viehweiden, Felder- und Niederwaldbewirtschaftung. Dazu ist allerdings eine Fläche von über einem Hektar vonnöten, bzw. wäre dies schon ein richtiger Selbstversorgerhof, bei dem Du ohne motorisierte Geräte kaum auskommst.
Im Hausgarten kann die Zone 4 klein ausfallen und auch nur einen großen Walnussbaum oder einen anderen Hochstammobstbaum beheimaten.

Die Zone 5 gehört in jeden noch so kleinen Garten! Und zwar zu mind. 20 % der Gesamtfläche. Denn das ist die Wildniszone, die nicht nur die Randbereiche des Grundstückes beinhaltet, sondern sich durch alle Bereiche zieht. Sie ist sehr wichtig für unser ökologisches Gleichgewicht, aber auch für unser Mikroklima.
Die Wildniszone bezeichnet Dinge wie: Insektenhotel, Blumenwiese, Totholzhaufen, Wildobsthecke, Steinhaufen, Eidechsenburg (aus alten Dachziegeln aufgestapelt), Laubhaufen für Igel usw. Die Wildniszone wird auch als „Ich-tu-nix-Garten“ bezeichnet, wobei auch dieser Bereich, besonders mit Wildobst und Kräutern aus der Blumenwiese, essbaren Blüten zur Ernährung beiträgt.

 


Katzen im Insektenhotel

 

Generell trägt die Strukturierung in Zonen – ob auf kleinen oder großen Flächen – zur Optimierung des Grundstücks bei. Auf einer kleinen Fläche bedeutet das aber nicht unbedingt eine Zeiteinsparung! Schichten und Stapeln heißt es da, weshalb gerade bei Obstbäumen eine Mehrfachnutzung angesagt ist. Und zwar mit Hilfe der Baumscheiben!
Die Baumscheibe bezeichnet den Bereich vom Stamm bis zur äußeren Tropfzone – also der Bereich rund um den Baumstamm.

 

 

Sofern genug Licht in diesen Bereich einfällt kann er sehr gut zur Dauerbepflanzung mit Tee- und Würzkräutern, oder auch für Wildgemüse genutzt werden. Der Baum selbst ist auch eine geeignete Rankhilfe für Weinbeeren und dornenlose Brombeeren. Zur Gründüngung gerne auch mal für Stangenbohnen!
Hierbei entsteht eine Obstbaumlebensgemeinschaft, eine Symbiose. Ist der Baum sehr dicht und breitkronig eignet er sich auch zum hineinhängen von Shiitake-Pilzkulturen. Es ist sehr, sehr viel möglich! Kleine Räume sind aufgrund der vermehrten Aufmerksamkeit bis zu 12x so ertragreich, wie große Feldkulturen, dabei aber wesentlich vielfältiger und angepasster. So können gerade auch im Kleinen sehr gut zukunftsfähige selbstversorgerische Lebensräume entstehen, die Körper und Seele enorm gut tun!

 

 

Und so sieht zum Beispiel ein Permakultur-Skizze aus:

 

Mehr über Hannelore kannst Du hier nachlesen:

www.mienbacher-waldgarten.de

www.permagarten.wordpress.com

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Theresa Steininger

von Wohnwagon - berichtet über ihre Erfahrungen und plaudert aus dem Nähkästchen drauf los.